DerArtikel „Das Blut der Revolution“ in der Onlineausgabe der Süddeutschen hat mich auf eine Idee gebracht. Im Artikel geht es um die präkere Situation von Millionen von Slumbewohnern in Kairo, deren Lebenssiuation sich trotz Umsturz nicht verbessert hat und daher idealer Nährboden für extreme Entwicklungen ist.
Die Bewohner verdienen ihren Hungerlohn mit Müllrecycling. Sie leben quasi darin und picken sich Verwertbares heraus, eine andere Perspektive bietet sich ihnen nicht. Medizinische Versorgung, Hygiene und Sicherheit sind ein weit entfernter Luxus. Was die Menschen dort mE brauchen ist ein grundlegendes wirtschaftliches Leben, das sie vielleicht nebenbei vom Leben direkt auf der Müllhalde befreit.
Hier meine Idee dazu:
Angenommen man steckt eine große freistehende Fläche ab und unterteilt sie in vier Teile. Dann bezahlt man die Menschen 2ct dafür, Müll dorthin zu transportieren, der auf einer der vier Flächen gelagert wird. Gleichzeitig bietet man ihnen an, all den Müll auf dem Areal wieder mitzunehmen, den sie verwerten können.
Sie trennen den Müll wie immer und nehmen Aludosen, Plastikflaschen und andere verwertbare Dinge wieder von der Halde auf der Fläche mit. Beim Verlassen des Areals aber müssen sie für den Müll den sie mitnehmen eine Gebühr bezahlen, beispielsweise 8ct pro Kilogramm. Der Preis für das herausbringen muss zwischen dem Preis für das hereinbringen und dem Preis der Rohstoffgroßhändler liegen.
Da anzunehmen ist, der Rohstoffwert sinkt nach jedem Tag ist es geschickt, die Gebühr für das Herausbringen von Müll zu senken, wenn er bereits seit einem oder zwei Tagen durchwühlt wurde. Als Mitnahmegebühr würden sich im Beispiel etwa 7ct für Müll von gestern eignen und 6ct für den von vorgestern. Drei der vier Flächen auf dem Area werden also wechselseitig für frischen und werthaltigen Müll verwendet und die vierte für Müll, der keine Wertstoffe mehr enthält und dort bleiben soll.
Dadurch machen die Menschen weiterhin das, was sie immer machen, Müll recyclen. Nur sie machen es auf einem weit höheren Niveau, da erstens der Müll aus ihrem Wohnbereich verschwindet. Zweitens, jeder kann leicht Geld verdienen da es Müll immer und überall gibt. Drittens, es entsteht eine arbeitsteilige Wirtschaftstätigkeit, mit Spezialisten für das Sammeln, das Sortieren und die Weiterverwertung der Materialien. Hinzu kommen weitere daran angeschlossene Dienste, die sich alle um die Müllhalde herum gruppieren und sich vom reinen Recyclinggeschäft absetzen werden.
Vorausgesetzt der alte wertstoffreie Müll kann auf der Halde gelagert bleiben ist diese Art der Recyclingwirtschaft sogar profitabel. Es muss lediglich die Startphase abgewartet werden, wenn jeder ausschließlich Müll dorthin bringt. Aufgrund der Rohstoffpreise (siehe Plastikgranulat 400 Euro pro m³) sollte der Wirtschaftskreislauf aber von selbst anspringen und den Menschen ein gutes/steigendes Auskommen sichern.
Die Idee kann für Kairo angewendet werden, aber nichts spricht dagegen sie überall dort zu nutzen, wo Menschen im Müll hausen. Alles andere ändert sich dann mit der Zeit von selbst. Voraussetzung für den Aufbau eines derartigen Systems ist natürlich ordentlich Kapital zum Aufkauf der Fläche, der Organisation der Halde und den anfänglichen Ankauf von Müll. Dazu kommen noch Kenntnisse über den Ort und die Mentalität. Alles Dinge die ich leider nicht selbst bieten kann..
Was haltet ihr von der Idee, kann sie funktionieren?