Teure Büroarbeitsplätze gemeinsam nutzen: Coworking Spaces
Benötigt man als Unternehmer komplett eingerichtete Büroarbeitsplätze für das Geschäftsmodell, stellt sich besonders in der Startup-Phase die Frage nach der Finanzierung geeigneter Räumlichkeiten und der passenden Austattung. Eine interessante Option um Kosten zu sparen und flexible Planung zu ermöglichen stellt Paul Bentkowski mit seiner Arbeitskommune vor.
In der Arbeitskommune können voll eingerichtete Büroarbeitsplätze gemietet und gemeinsam mit Anderen genutzt werden. Wie dürfen sich unsere Leser Dein Angebot vorstellen? Welche Vorteile gibt es gegenüber der Einrichtung eines eigenen Standorts?
Paul Bentkowski: Die Arbeitskommune soll trefflicherweise die Urform des Coworkings anbieten. Besser gesagt: die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Grob und einfach umrissen stellt man sich einen größeren Raum vor, in dem mehrere komplette Büroarbeitsplätze, also Tisch, Stuhl, Regal, etc. angeordnet sind. Die Infrastruktur bietet Strom, Licht, WLAN, Druckstation, Faxen, Kopieren, Scannen usw. Neben dem eigentlichen Coworking Space gibt es dann noch das Office, ein bis zwei Meetingräume unterschiedlicher Größe (natürlich mit Beamertechnik), eine Tee- und Snackküche sowie Socialcorner zum Ausruhen und Austauschen und Silentzones (z.B. zum Telefonieren). Das Paket wird dann noch um weitere brauchbare Leistungen ergänzt. Die Nachfrage bestimmt dabei das Angebot.
Die Vorteile liegen eindeutig auf der Hand. Die führenden Faktoren sind Flexibilität und Kostenersparnis. Da die Arbeitswelt immer mobiler wird, wollen die Bohemiens auch mobil arbeiten. D.h. genau dann und genau dort wo es notwendig ist und wenn es notwendig wird. Der Coworker in der Arbeitskommune wählt den Zeittarif, den er benötigt, bezahlt, arbeitet und kommt (hoffentlich) wieder. Er muss keine Büroräume suchen und anschauen, keine Maklergebühren und Kautionen zahlen. Er muss die Räumlichkeiten nicht renovieren, nicht einrichten. Er muss keine Strom- und sonstige Nebenkosten berappen. Er hat stets die sehr wichtigen sozialen Aneckpunkte, d.h. er vereinsamt nicht wie in einem Homeoffice.
Wie ist die Idee dazu entstanden?
Anfänglich wollte ich mich im Bereich Werbung selbstständig machen und suchte nach bezahlbaren und vernünftigen Büroräumen - jedoch Fehlanzeige. Wenn vernünftig, dann zu teuer und umgekehrt. Also recherchierte ich und hinterfragte auch in den sozialen Netzwerken. Dabei begleitete mich der Gedanke einer sogenannten „Gründersozietät“. Mehrere Gründer teilen sich eine Räumlichkeit. Somit hätte jeder Gründer sehr niedrige Kosten, was ja auch für mich ein sehr wichtiger Aspekt war. Bis dato war mir der Begriff Coworking unbekannt. Erst in den Netzwerken kam mir dieser augenscheinlich zum Vorschein. Nach umfangreicher Marktbearbeitung stellte ich fest, das der Trend des Coworking noch in den Kinderschuhen steckt und durchaus sehr gute Chancen bestehen für Neugründer - vor allem in Berlin - am Markt Fuß zu fassen. So kam ich zu meiner neuen Business-Idee, die ich seitdem permanent bearbeite. Das war irgendwann im April diesen Jahres.
Welches Geschäftsmodell hast Du entwickelt und wie überstehst Du die Startphase?
Mein Geschäftsmodell ist ein Mix aus Open- und Fixdesks. Der Open-Bereich ist für sporadische User, die nicht jeden Tag kommen und wenn sie dann kommen, dann wählen sie sich einen Platz ihrer Wahl. Die Fix-User hingegen buchen einen zusammenhängenden Zeitraum (bspw. 6 Wochen am Stück) und behalten den gewählten Platz über den ganzen Zeitraum. Sie können ihre Sachen dort liegen lassen und für Wertsachen kann ein Schließfach genutzt werden. Der besseren Übersicht halber sind die Fix-Bereiche räumlich abgetrennt. Das schafft auch mehr Ruhe und bessere Arbeitsatmosphäre. Darüber hinaus stehen natürlich die Meetingräume und die Büroofficeleistungen zur Verfügung. Ergänzend können noch ziel- und tätigkeitsgerichtete Meetings und Informationsveranstaltungen stattfinden. Angesprochen werden quasi alle potentiellen Coworker unabhängig ihres beruflichen Ursprungs. Es wird also keine Berufsbeschränkung geben – naja, die illegalen Tätigkeiten mal ausgenommen.
In der Startphase, welche für 6-12 Monate angesetzt ist, ist natürlich erstes Gebot die Liquidität und Rentabilität stabil zu halten. Mir persönlich hilft dabei der Gründungszuschuss der Arbeitsagentur. Ein sehr gutes Werkzeug, das man auf jeden Fall in Anspruch nehmen sollte. Für das Unternehmen habe ich mir diverse unkonventionelle Finanzierungsformen überlegt und Sparsamkeit als oberstes Gebot gewählt. Einige Beispiele: provisionsfreie Anmietung der Geschäftsräume direkt über den Vermieter, ohne Makler; Kautionsbürgschaft anstatt Geldbetrag, das spart sofort einige Tausend Euro; in Etappen investieren, man muss nicht sofort alles parat haben. Es sei denn, das man ab dem ersten Tag eine 100%ige Auslastung hat, was jedoch weniger wahrscheinlich ist. Selbst dann nicht, wenn zur Eröffnung 500 Gäste erscheinen; bei längerem Leerstand ist freches Verhandeln von Mietpreisen bis ins Bodenlose durchaus denkbar, wenn man mit seiner Location flexibel ist. Immer den Eindruck erwecken lassen, dass man mehrere Eisen im Feuer hat; bei größeren Einkäufen, wie Möbeln, verhandeln was das Zeugs hält. So können nochmals einige hundert Euro oder Naturalrabatte zusammen kommen. Merke: Vieles Kleines ergibt ein Großes und es ist ein großer Unterschied ob ich 30- oder 40-Tausend Euro fremd finanzieren muss. Es sind einfach mal 25% weniger Zinsen und Tilgung. Womit wir wieder bei der Liquidität und Rentabilität wären, die vor allem nach der tilgungsfreien Zeit von Krediten erbarmungslos in die Knie gehen kann. In der Regel das Aus.
Auf welchen Wegen möchtest Du Deine Dienstleistung bekanntmachen und was hebt Dich von der Konkurrenz ab?
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Paul Bentkowski von arbeitskommune.deassenwerbung wird hier nicht greifen und nur kostenintensiv verpuffen. Zielgerichtete Anschreiben an Gruppierungen und Verbände sind erfolgversprechende Maßnahmen. Nicht zu unterschätzen sind die Social Netwoks, welche natürlich intensiv mit eingebunden werden. Darüber hinaus die Publizität über eine eigene Domain, das gepushte Opening und das Einbinden der lokalen und regionalen Presse.
Ich habe mir den Markt natürlich sehr genau angeschaut und festgestellt, dass nicht überall Coworking drin ist wo Coworking drauf steht. Der Begriff wird von Kaffeehausbetreibern ebenso missbraucht wie von Büroofficebetreibern. Sowohl die Angebotspalette als auch die Preise klaffen weit auseinander. Ich werde nicht das Rad neu erfinden, sondern mir von allem Möglichen das jeweils Beste herausnehmen und daraus eben anders mich abheben. Auf jeden Fall wird in der Arbeitskommune der Geist des Coworking spürbar sein - in Form einer lebendigen und sich stets neu formenden, wachsenden Community. Dafür wird sie selbst sorgen. Dafür lasse ich ihr freien Lauf.
Als zukünftige Gründer sind unsere Leser vor allem am Weg zum erfolgreichen Startup interessiert. Wie hast Du die ersten Schritte gemacht? Auf welche Schwierigkeiten bist Du gestoßen und was möchtest Du Neugründern an Hilfestellung mit auf den Weg geben?
Um nach etlichen Jahren der unternehmerischen Abstinenz wieder up-to-date zu sein besuchte ich diverse Seminare und Workshops zum Thema Gründung, hängte mich in die sozialen Netzwerke rein und ließ mich natürlich von Institutionen wie der IHK und Arbeitsagentur dahin gehend beraten. Zudem standen noch Besuche von lokalen Informationstagen und Gründungsmessen an. Außerdem gibt es im Internet ebenfalls viele nützliche Informationen und Werkzeuge, insbesondere ist hier die IHK und Bundeswirtschaftsministerium zu nennen. Es ist eine Unmenge an Informationen die einem angeboten wird - größtenteils kostenlos. In der richtigen Filtrierung der Informationen besteht schon die erste Hürde, die man nehmen muss.
Nach der Findungs- und Filtrierungsphase begann die Konzeptphase, in der unter anderem der Businessplan erstellt wird. Keine Sache von wenigen Tagen, im Gegenteil. Doch das ist richtig so wenn man Wochen oder gar Monate darüber brütet. Denn der Businessplan wächst und ändert sich mit neuen und anderen Erkenntnissen. Ich habe unzählige Male verworfen und neu konstruiert. Wichtig ist jedoch im Kern der Sache reif zu sein. Fängt man an den Kern anzuknabbern, dann steht man nicht mehr hinter dem Konzept und auch dies wäre eine unternehmerische Handlung: nämlich aus wahrer Erkenntnis den Gang zum Papierkorb zu vollziehen. Mitunter kann dies sogar als Ergebnis des Businessplans heraus kommen.
Meine Tipps für Gründer sind: an sich selbst und seine Fähigkeiten glauben; beharrlich und geduldig an seiner Idee arbeiten; sich nicht unter Druck setzen und sich nicht unterdrücken lassen; realistisch und sich selbst gegenüber ehrlich abwägen; seine Idee kundtun und Resonanz einholen; es einfach tun anstatt nur darüber zu reden.
Was war die Motivation für Dich in die Selbstständigkeit zu gehen?
Hauptmotivation ist natürlich die Beendigung der Arbeitslosigkeit. Dabei ist die Vorbereitung für das eigene Unternehmen gleichrangig der Bewerbung um einen Arbeitsplatz. Beides verfolgt das gleiche Ziel, doch vermag das Unternehmertum weitaus mehr Tragweite und Chancen zu geben. Ich kann entscheiden wann, wo, wie, mit wem und warum oder auch nicht. Natürlich rein philosophisch, vorerst, denn die Ökonomie, wenn auch widerwillig, hat, zumindest in der Anfangsphase, leider das Sagen.
Arbeitest Du im Team und bist Du an Kooperationen interessiert oder nimmst Du „selbst“ und „ständig“ in der Selbstständigkeit lieber wörtlich?
Wer ständig versucht alles selbst zu machen, der wird über kurz oder lang scheitern. Nicht von ungefähr gibt es so zahlreiche Berufsbilder und etliche Dienstleistungen die daraus entstehen - teilweise erfrischend abenteuerlich verstrickt. Als Unternehmer hat man sich um sein Kerngeschäft zu kümmern, also die strategischen Dinge auf lange Sicht - die Startphase eventuell partiell davon ausgenommen. Die alltäglichen, begleitenden Dinge sollte man sich durch Kooperationen dazu holen.
Wer steckt hinter arbeitskommune.de? Stell Dich doch bitte kurz unseren Lesern vor.
Ich bin Jahrgang 69, habe Elektrotechnik gelernt und studiert und war zuletzt als Vertriebsingenieur und Projektleiter im Bereich Energietechnik tätig. Vor diesen Tätigkeiten hatte ich bereits ein Leben als Unternehmer im Elektrohandwerk und diversen kleineren selbstständigen Tätigkeiten, die bis nach 1992 zurück reichen.
Wir bedanken uns für das interessante Interview und wünschen Dir viel Erfolg mit Deinem Projekt.
